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Vereinsgeschichte
Von der Gründung 1953 bis heute – die wichtigsten Stationen.
Die folgende Vereinsgeschichte hat Josef Borer im November 2010 verfasst. Sie ist hier gekürzt und leicht redigiert wiedergegeben; das vollständige Dokument steht als PDF bereit.
Gründung 1953
Der Natur- und Vogelschutzverein Erschwil wurde am 16. Mai 1953 gegründet, durch Arnold Borer (Präsident), Heinrich Borer, Heinz Liechti, Emil Saner, Hans Grolimund, Arnold Grolimund, Ernst Allemann und Walter Köninger.
Die erste Exkursion führte 1956 über Forst – Chüeboden – Wasserfallen – Grindel – Rüttenen – Bergli – Remi – Wolstel. Die Teilnehmer beobachteten dabei 63 Vogelarten – leider wurde nirgends festgehalten, welche.
Leo Grolimund leitete den Verein während 30 Jahren.
Das Reservat Chalmbrunnen
Ein Meilenstein war die Schaffung des Naturschutzreservates Chalmbrunnen. Eine erste Begehung mit kantonalen Vertretern fand am 12. Oktober 1970 statt. Am 5. Februar 1971 erklärte der Regierungsrat das 7.5 ha grosse Gebiet auf Antrag der Bürgergemeinde zum Reservat und stellte es unter kantonalen Schutz – der Erschwiler Beitrag zum europäischen Naturschutzjahr.
An der Generalversammlung 1971 beschlossen die Mitglieder den Beitritt zum Schweizerischen Bund für Naturschutz, der heutigen Pro Natura. 1972 wurden auf Initiative des Vereins die «Schneeglöggli» und «Maiäriesli» im Kanton Solothurn unter Schutz gestellt.
1983 wollte der Verein das Reservat um die Gebiete Hostelleli und Langengrund erweitern. Die Forstkommission lehnte den Antrag ab, überliess dem Verein die Flächen aber zur Pflege. Seither mähen wir mindestens einmal jährlich die artenreichen Wiesen in Langengrund, Pfifferen, Risel, Chalmbrunnen, beim Pumpwerk und im Schlif – gesamthaft 4.36 ha.
Naturinventare 1994, 2010 und 2023
1994 erstellten Eugen Christ und Josef Borer im Auftrag der Einwohnergemeinde ein Naturinventar für das Offenland und erfassten dabei auch den Brutvogelbestand. Bemerkenswert waren Gartenrotschwanz (7 Brutpaare), Gartengrasmücke (26), Goldammer (19), Grünspecht (10), Grauspecht (3), Mittelspecht (1), Mehlschwalbe (152) und Neuntöter (7). Als Arten der Roten Liste kamen ein Wanderfalkenpaar und drei Hohltaubenpaare dazu.
2010 wurde das Brutvogelinventar wiederholt, diesmal flächendeckend über das gesamte Gemeindegebiet von 748 ha, davon 424 ha Wald. Erfreulich waren 77 Brutpaare des Berglaubsängers sowie die Zunahme von Grünspecht (18) und Mittelspecht (4). Der Neuntöter hielt seinen Bestand.
Andere Arten erlitten dramatische Einbrüche: Der Gartenrotschwanz brütet nicht mehr in Erschwil, die Gartengrasmücke ging auf 6 Brutpaare zurück, die Bestände von Mehlschwalbe, Goldammer und Haussperling haben sich etwa halbiert.
2023 folgte die dritte flächendeckende Kartierung. Die Ergebnisse aller Erhebungen sind im Bericht «Brutvogelinventar Erschwil» zusammengefasst – siehe Inventare & Berichte.
Der Obstgarten im Geren, ab 2000
Im Jahr 2000 konnte der Verein durch geschicktes Vermitteln des Kassiers Fritz Heizmann eine 2623 m² grosse Landparzelle mit neun alten Hochstammobstbäumen im Gebiet Geren erwerben. Aussergewöhnlich dabei: Der Verein setzte sein gesamtes Vermögen von damals rund 15 000 Franken für den Kauf ein. Die Generalversammlung vom 25. Februar 2000 genehmigte den Kredit einstimmig.
Ein Jahr später kam südlich eine weitere, 6 m breite Parzelle dazu. Zusammen mit der Stiftung ProSpecieRara und der Primarschule Erschwil pflanzten wir 23 Jungbäume; die Stiftung stellte die alten Sorten gratis zur Verfügung, im Gegenzug liefern wir bei Bedarf Edelreiser. Als Besonderheit steht im Obstgarten ein Apfelbaum der Sorte «Erschwiler».
Mit dem Landwirt Urban Christ wurde vereinbart, dass er das Grundstück nach den Grundsätzen des kantonalen Mehrjahresprogramms bewirtschaftet: nicht düngen, heuen und emden.
Jubiläum 2003 und kantonale Frühlingsexkursion 2008
2003 feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass entstand eine kleine Broschüre für die Bevölkerung, und die Jubiläums-GV wurde mit einer Ausstellung über Magerwiesen, Obstgarten sowie Vogel- und Tierpräparaten bereichert.
Am 20. Mai 2008 organisierte der Verein die kantonale Frühlingsexkursion. Trotz schlechter Wetterprognosen reisten rund 100 Naturfreunde aus dem ganzen Kanton nach Erschwil. Auf vier Routen rund um das Dorf wurden 49 Vogelarten beobachtet, darunter ein Braunkehlchen im Obstgarten sowie Wanderfalke und Neuntöter. Am Abend sichteten einige Vorstandsmitglieder vom Gartenrestaurant Rössli aus zwei Gänsegeier, die gemächlich am Hoggen vorbeizogen.
Der Zugvogeltag auf dem Gupf
Zur Tradition geworden ist der internationale Zugvogeltag auf dem Gupf, rund 150 m nordwestlich des Hofes Niderbergli. Bei schönem Wetter reicht der Blick bis zur Hohen Winde und ins Laufental. Am ersten Oktobersonntag werden die vorbeiziehenden Vögel beobachtet und notiert.
Bekannt ist der Beobachtungsstand für die grossen Ringeltaubenschwärme. Mehrmals wurde hier bei dieser Art der Schweizer Rekord aufgestellt – am 2. Oktober 2010 zählten wir 53 620 Ringeltauben. Erstmals beteiligte sich der Verein 1997 am international durchgeführten Anlass, seit 2001 führen wir eine Statistik der beobachteten Vögel.
Mauersegler in der Kirche, 2009
Unter der Leitung von Theo Walser erneuerte der Verein 2009 die seit rund 40 Jahren bestehenden Mauerseglernistgelegenheiten in der Kirche. Die 26 Nester lassen sich seither vom Dachboden aus kontrollieren. Susanna Meyer aus Wahlen überwacht die Kolonie und beringt Alt- und Jungvögel. Im Jahr 2010 brüteten zehn Paare, 24 Jungvögel flogen aus.